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Jagdhundetraining – Welche Trainerphilosophie funktioniert?

Daniela

Wie ist es wenn man bei einer der bekanntesten Hundetrainerinnen Deutschlands „gelernt“ hat. Wie schafft man es seinen Jagdhund frei laufen zu lassen ohne dass er jagen geht?
Welche Trainerphilosphien greifen beim Training mit einem Jagdhund?
Diese Fragen und noch einige mehr, versuche ich heute in meinem Artikel zu beantworten, den ich für eine liebe Blogkollegin verfasst habe.

Nina ist Hundetrainerin und schreibt auf ihrem Blog „Der weiße Hund – Training für zwei und vier Beine“ aus ihren vielseitigen Erfahrungen im Alltagsgeschäft mit ihren zwei und vierbeinigen Kunden. Gemeinsam mit ihrer Parson Jack Russell Hündin Frida leben die beiden das Thema „Achtsamkeit“ und vielleicht schau ich deswegen so gern bei ihrem Blog vorbei. . . oder einfach weil Nina das Mensch-Hund-Team bei ihrer Arbeit in den Vordergrund stellt, denn das finde ich immens wichtig.

Ich habe ihr also liebend gerne zugesagt einen Artikel zu verfassen, in dem es um Trainerphilopsophien geht und warum mir diese zusagen bzw. welche ich persönlich verfolge in meinem Training mit meinen Jagdhunden.
Dazu muss ich erstmal weit ausholen, denn ich hatte mehrere „Ausbilder“ in puncto Hundetraining, die teils sehr unterschiedliche, ja sogar gegenläufige Theorien verfolgt haben. Mit einem Großteil von diesen Theorien arbeite ich heute noch, doch viele lehne ich über die Jahre gesehen für mich persönlich und für „meine Rasse“, die Setter, ab.
Erzählen werde ich heute von Trainerin Nr. 1 (von 4), da mich ihre Arbeit am stärksten geprägt hat und ich alle meine Hunde bisher mit ihrem Ansatz erzogen habe.

Ersthundbesitzer

Ich sage es in letzter Zeit häufig: „Heutzutage möchte ich kein Ersthundbesitzer sein“.  Jeder Hundetrainer kommt mit SEINER Theorie um die Ecke wie ein Hund erzogen werden sollte. Durch die großen Fernsehtrainer und die vehement auftretenden Pseudofachleute auf der Hundewiese, in Facebookgruppen oder im WWW wird es dem (Erst-)Hundebesitzer zusätzlich sehr schwer gemacht, DEN Hundetrainer aus dem Heuhaufen zu picken, dessen Methode vermeintlich die Beste ist und am geeignetsten erscheint.
Eigentlich will man ja nur alles richtig machen mit seinem Liebling, aber die Fülle der teils unterschiedlichen Informationen ist groß. Was hatte ich bloß für ein Glück, denke ich mir oft. Fachlich als auch sachlich…
Vor 15 Jahren gab es diesen Hype ums Hundetraining nämlich noch nicht in diesem Ausmaß, damals war noch alles recht einfach.

Alles richtig machen

Das wollte ich im Jahre 2000 als mein erster Irischer Setter bei mir einzog. Ein waschechter Jagdgebrauchshund, der noch dazu intelligent und ambitioniert in puncto Anlagen war.
Ich schaute mich also nach einer nahegelegenen Hundeschule um (damals gab es relativ wenige auf dem Markt) und hatte ziemliches Glück, gleich um die Ecke auch fündig zu werden.
Die Hundeschule hatte gerade mal einige Jahre geöffnet und die Chefin höchstpersönlich nahm mich unter ihre Fittiche im Einzeltraining. Das bringt mich auch heute immer noch zum Schmunzeln wenn ich an die Zeit denke, denn es war die heute bundesweit bekannte Hundetrainerin Petra Führmann. Insofern bin ich schon ein bißchen stolz dort zur Schule gegangen zu sein.

Heute ist Petra Führmann als öffentlich bestellte und beeidigte Sachverständige und DOGS-Expertin immer eine gern gesehene Autorin in Fachartikeln. Auch ihre kleine Hundeschule von damals hat sich zum Hundezentrum Aschaffenburg gemausert, dass erst letztes Jahr zu eine der Top-Adressen Deutschlands gewählt wurde.

Dort landete ich also mit meinem mehr als dürftigem Grundlagenwissen und meinem kleinen „York“ und hoffte auf Unterstützung für den oft als Mysterium gehypten Freilauf bei Jagdhunden.

Wie alles anfing…

Zunächst standen wir wöchentlich zur Welpenspielgruppe bei ihr auf der Matte. Parallel dazu trainierte ich meinen kleinen Jagdhund mit dem Buch das Petra zusammen mit Nicole Hoefs verfasst hat „Das Kosmos Erziehungsprogramm für Hunde“. Dazu kamen gezielte Einzeltrainings mit Petra.
Wer (die Artikel von) Fr. Führmann kennt weiß, dass Sie über positive Verstärkung trainiert. Im damaligen Einzeltraining haben wir auch viel mit der Schleppleine und diversen Kommandos gearbeitet, unter steigender Ablenkung, in mitten der Hundegruppe, etc – eben was ein gutes Hundetraining beinhalten sollte.
Die eingesetzte Schleppleine ist auch mit meinem Wissen von heute noch eines der wichtigsten Utensilien die ich zur gezielten Abrufbarkeit zu Beginn einsetze. Zwei meiner bewährtesten Kommandos stammen auch aus den damaligen Anfängen mit Fr. Führmann: „NEIN“ und „Raus da“.
Diese Drei sind für mich nach wie vor noch die wichtigsten Pfeiler bei der Erziehung meiner Jagdhunde, obwohl die Schleppleine zum Beispiel heute von vielen Trainern abgelehnt wird bzw. von vielen Menschen falsch eingesetzt wird.

Was noch?

Bindungsaufbau, Grenzen setzen und Konsequenz sind weitere Schlagwörter die ich im Jagdhundetraining lebe. Auch diese drei Säulen nahm ich aus dem Training mit Petra mit und versuche sie umzusetzen. Doch ist das schon eine Trainerphilosophie die ich übernommen habe?

Wo fängt Philosophie im Hundetraining eigentlich an?

Beim Thema Bindungsaufbau, Grenzen setzen und Konsequenz liegen meinen Erfahrungen nach grundlegende Problematiken begraben, wenn es um Trainerphilosophien im Allgemeinen und Hundetraining im Speziellen geht.
Etwas das die besten Trainer dieser Welt (wer auch immer das entscheidet) nur in geringem Maße beeinflussen können, egal wie gut oder schlecht ihre Methode ist:
die Individualität des Hundes und die Möglichkeiten und das Naturell des Besitzers.

Nicht jeder Besitzer schafft es konsequent zu sein, nicht jeder Hund geht gleich gerne eine tiefe Bindung mit dem Besitzer ein wie ein anderer, nicht jeder Mensch ist charakterlich oder vielleicht auch situativ in der Lage nötige Grenzen zu setzen usw. und so fort.
Philosophien im Hundetraining zu favorisieren finde ich schwierig, da sie nicht auf jedes Mensch-Hund-Team passen, bzw. nicht zwangsläufig auch bei jedem zum Erfolg führen.

Bei Petra Führmann habe ich sehr viel gelernt und mich immer gut aufgehoben gefühlt, denn die Philosophie die ich für mich bei ihr mitgenommen habe, hat mir stets geholfen bei meinen Roten: ein solides Basistraining von klein auf mit vielen Übungen und Wiederholungen. Mit einem roten Faden, gutem Timing, Konsequenz im Alltag UND im Training sowie dem Aufbau einer sicheren Bindung.

Nicht nur im Jagdhundetraining

FAZIT: Trainerphilosphien finde ich generell sehr spannend. Ob Mirko Tomasini mit seinem Leitwolf-Training oder Anton Fichtlmeier mit seinem Binärsystem und seinem Einfluß auf die Jagdhundeausbildung oder all die anderen Hundetrainer mit Message.

Lesen lässt sich vieles gut, aber wie effektiv und zielführend ein Ansatz im Training mit dem eigenen Hund und dem Alten Ego ist, das steht auf einem anderen Blatt Papier.
Für mich wird immer eher die Praxis unter Beweis der Effektivität und der Wirkung den Ausschlag für eine Erziehungsmethode geben, als das was ein Dogmatiker an Erziehungsstil transportiert.
Erreiche ich das gewünschte Ziel, geht es mir UND meinem Hund gut mit der Methode? Funktioniert sie für mich und meinen Hund im Feld und im Alltag?

Erst mein 4. Trainer lehrte mich etwas, das all die anderen nicht vermochten:
Alles steht und fällt mit dem Mensch-Hund-Team. Dort sollte der Fokus im Hundetraining liegen.
Dort sollte ein zielführendes Hundetraining beginnen.

Wie das speziell bei einem Jagdhund fortgeführt wird, der auch jagdliche Prüfungen läuft, das erzähle ich Euch in einem anderen Artikel und bis dahin könnt ihr ja mal bei Nina und ihrer Seelenhündin Frida vorbei schauen, dort gibt es bald noch mehr Artikel zum Thema Trainerphilosophien.
Blog „Der weiße Hund – Training für zwei und vier Beine“

LG Danni & Watson

©Titelbild: Photografin Andrea von Pinschernews ♥

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