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Der Eichenprozessionsspinner – wie erkenne ich ihn?

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Der Eichenprozessionsspinner ist wie jedes Jahr auf seiner Wanderschaft und beunruhigt betroffene Bürger und Spaziergänger in Wald und Flur bundesweit.

Letztes Jahr beschäftigte ich mich bereits, mit den potentiellen Gefahren die von ihm ausgehen können.
Dieses Jahr schauen wir uns die einzelnen Entwicklungsstadien an, damit geeignete Maßnahmen (wie z.B. das Absaugen der Nester) schon vor dem gefährlichen L3-Stadium der Raupen getroffen werden können und die Raupe sicher bestimmt werden kann.

An die Lokalzeitungen und an die Umweltämter, gehen jedes Jahr unzählige Falschmeldungen ein und mit Hilfe der folgenden Bilderserie, lassen sich Irrtümer hoffentlich gänzlich ausschließen.

Mit welchen Schmetterlingen können potentielle Verwechslungsmöglichkeiten in puncto zeitgleiches Auftreten resultieren?

Verwechslungsmöglichkeiten mit dem Eichenprozessionsspinner

Im Mai gibt es noch weitere Schädlinge, die zu Verwechslungen mit dem Eichenprozessionsspinner führen können.

Die Gespinstmotte

Die Gespinstmotte ist unbehaart, gelb und hat schwarze Punkte.
Man trifft sie häufig an Kirschen, generell an Obstgehölzen oder Weiden.
Sie ist vor allem eines: völlig harmlos!

Gespinstmotten können einen kompletten Baum einspinnen und mögen so eventuell Ängste wecken, aber sie sind völlig unbedenklich und nach der intensiven Fraßperiode bzw. der Verpuppung wieder verschwunden.
Von den Gespinsten, die mit dem nächsten starken Regen ausgewaschen werden, geht keine Gefahr aus.

Das Tagpfauenauge

Kaum zu glauben, aber aus diesen unscheinbaren schwarzen Raupen, werden einmal wunderschöne Tagpfauenaugen. Auch ihre Gespinste sind völlig unbedenklich.

Doch kommen wir jetzt zu einem Schädling der zu den sogenannten Hygieneschädlingen gehört und somit potentiell krankmachend für den Menschen ist.
Der Eichenprozessionsspinner.

Bestimmungshilfe zum Eichenprozessionsspinner

Als Gutachterin uns Sachverständige für Bäume habe ich sogenannte Markerbäume, von denen ich weiß, dass der Eichenprozessionsspinner im Vorjahr dort zu finden war.
Dies ermöglicht mir eine ungefähre Bestimmung, wann für die Rhein-Main-Region das L3-Stadium der Raupe erreicht ist, wo es für allergisch reagierende Personen und auch für Hunde, zu einer erhöhten Gefahr durch umherfliegende Brennhaare kommen kann.

Der Thaumetopoea processionea L., so der lateinische Name, zählt ganz allgemein zu den Schmetterlingen und entwickelt sich in verschiedenen Stadien.

Die einzelnen Stadien der Entwicklung sind:
Das Ei – die Larve (Raupe) – die Puppe – der Schmetterling

Im Bild sind Eiablagen am Eichenzweig zu erkennen, die absolut unscheinbar und so gut wie unauffindbar im Baum sind.
Nach der Verpaarung legen die Schmetterlingsweibchen ihre Eier (bis 300 Stück) in den Eichen ab, wo sie sich im Herbst zu kleinen Eiräupchen entwickeln, jedoch im Ei überwintern.
Sie warten dort auf das nächste Stadium im Frühjahr.

Die Eier des Eichenprozessionsspinners

 

Das L1-L2 Stadium des Eichenprozessionsspinners

Mit dem Anschwellen der Knospen und dem Blattaustrieb (Zeitpunkt von Jahr zu Jahr unterschiedlich), schlüpfen die Larven aus den Eiern und beginnen mit der teils enormen Nahrungsaufnahme.
Die Eiche als eine der robustesten Baumarten bei uns in Deutschland, kann diesen Fraß idR sehr gut kompensieren. Absterbeerscheinungen konnte ich noch bei keinem einzigen Baum beobachten in den letzten sieben Jahren.

In diesem Entwicklungsstadium sind die Brennhaare schon erkennbar, enthalten aber noch nicht das Eiweiß Thaumetopoein.

Nach dem Fraß an der Knospe und den Blättern geht der Eichenprozessionsspinner in das 3. Larvenstadium über.

Das L3 – L6 Stadium des Eichenprozessionsspinners

Ab hier kann man ihn auch von unten in den Baumwipfeln erkennen und in dieser Zeit wird er in der Regel auch abgesaugt.

Die immense Fraßmenge am Wirtsbaum in diesem Stadium ist nötig, weil der Eichenprozessionsspinner später in der Verpuppung, für längere Zeit keinerlei weitere Nahrung zu sich nehmen kann und von seinem Polster leben muss.

Fressen und Wachsen

Die Prozession ist in vollem Gange.
Nun wird die Raupe meist von besorgten Bürger wahrgenommen.
Das Auftreten fällt erfahrungsgemäß auf Anfang Mai bis Ende Mai.
Durch das stetige Dickenwachstum und die Dehnung der Haut durch die stattfindenden Häutungen, können Brennhaare im Gras hängenbleiben oder durch die Luft fortgeweht werden.

Die Raupen sind nun um den Baum herum anzutreffen und ein direkter Kontakt mit der Raupe und mit einem Gespinst/Nest ist unbedingt zu vermeiden.
Auch auf den Boden sollte man sich nicht setzen und Hunde sind fern zu halten.

Im Baum ist ein Nest gut zu erkennen, wenn man gegen die Sonne schaut und weiß, wonach man Ausschau hält.

Altnester, die nach der Verpuppung im Baum verbleiben, enthalten auch noch Jahre nach ihrer Besiedlung Brennhaare die den Eiweißstoff absondern.

Erkennungsmerkmale des Eichenprozessionsspinners:

Sie haben eine dunkle, breite Rückenlinie mit samtartig behaarten Feldern und rotbraunen, langbehaarten Warzen.
Sie leben gesellig und gehen in Gruppen von 20 bis 30 Individuen im “Gänsemarsch“ auf Nahrungssuche, daher auch ihr Name: Prozessionsspinner.

Doch das weitaus sicherste Bestimmungsmerkmal ist im folgenden Bild zu sehen:

Man trifft den Eichenprozessionsspinner an allen Eichenarten (Stieleiche, Traubeneiche und Roteiche) in ganz Deutschland, andere Wirtsbäume kommen nicht in Betracht.

Für mehr fachliche Aufklärung

Falls Sie sich nach diesem Bericht sicher sind, einen Befall zu erkennen, wenden Sie sich an das Umweltamt ihrer Gemeinde/Stadt oder falls es ihr eigener Baum ist, beauftragen Sie einen fachlich versierten Baumpfleger, der den Hygieneschädling mit Schutzkleidung sicher entfernt bzw. absaugt, damit keine Brennhaare in die Luft gelangen.

Übers Teilen würde ich mich sehr freuen, jeder Mitarbeiter im Umweltamt ist froh, wenn er keiner Falschmeldung erliegt und wird es Ihnen somit auch danken.