Dies & Das

Qualzucht – Prof. Dr. Irene Sommerfeld-Stur im Exklusivinterview

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Momentan ist ein Thema immer häufiger in den Medien zu finden: Qualzucht
Die möglichen Problematiken die rund um die Rassehundezucht auftreten, bescheren nicht nur den betroffenen Hunden einen enormen Leidensdruck, sondern auch ihren Besitzern.
Epilepsie, Atemnot, Hautprobleme oder Allergien sind nur die altbekannte Spitze des Eisberges der gesundheitlichen Beeinträchtigungen, von denen viele unserer Rassehunde betroffen sind.

Warum wird dem nicht endlich ein Riegel vorgeschoben?
Welche Möglichkeiten bietet uns die moderne Wissenschaft?
Gibt es einen Ausweg aus der Misere?

Da ich selbst schon zwei Setter aus einer VDH-Zucht hatte die von schweren Erbkrankheiten betroffen waren, habe ich die führende Wissenschaftlerin auf diesem Gebiet, Prof. Dr. Irene Sommerfeld-Stur zu mir eingeladen, um einen kleinen Teil der Aufklärung beizusteuern…und so vielleicht einige Schicksale zu retten.
Es gilt die richtigen Entscheidungen zu treffen…
denn die moralische Verantwortung liegt bei jedem Einzelnen von uns!

Interview: Daniela Antoni und Prof. Dr. Irene Sommerfeld-Stur

Frau Professor…
Beim Thema Qualzucht, das aktuell immer mehr ins Interesse der Öffentlichkeit rückt, fragt sich wohl jeder der sich bereits mit dem Thema beschäftigt hat: Wo kann man hier eine Grenze aufzeigen bzw. wo beginnt Qualzucht?

Bei uns in Österreich sind Qualzuchtmerkmale u.a. Atemnot, Bewegungsanomalien, Taubheit, Missbildungen der Schädeldecke, usw.. Diese stellen einen Verstoß gegen unser Tierschutzgesetz dar. Doch wo ist der Grenzwert der eine Ja/Nein-Aussage rechtfertigt? Ab wann empfindet ein Tier Schmerzen, Leiden, Schäden oder Angst? Das wesentliche Problem der Qualzucht ist, dass eine genau definierte Grenzziehung nicht objektiv möglich ist und das macht es so schwer dagegen vorzugehen.

Qualzucht ja oder nein
Ja oder nein?

Die Bundesregierung hat bereits 2002 ein Gutachten in Auftrag gegeben, dass als Leitlinie für Züchter anzusehen ist, um so auf die Aspekte des Deutschen Tierschutzrechtes hinzuweisen.
Auch in Österreich werden Bestrebungen unternommen, um „die Regeln“ von staatlicher Seite aus gemeinsam mit dem Dachverband vorzugeben. An dem Projekt „Konterqual“, haben Sie mitgearbeitet. Was kann man sich von staatlichen Eingriffen erhoffen wenn es um tierschutzrelevante Hundezucht geht?

Nachdem das Tierschutzgesetz am 01.02.2008 geändert wurde, konnte auch der Begriff Qualzucht explizit formuliert werden und es lassen sich nun eine Reihe von Merkmalen dort nachlesen die den Tatbestand „tierschutzrelevanter Hundezucht“, wie oben exemplarisch genannt, erfüllen. Um eine gesundheitliche Verbesserung bei den betroffenen Rassen zu erreichen, müssten Institutionen zur Verfügung stehen, die das Gesetz auch durchsetzen. Das dürfte in Deutschland ebenso problematisch sein, wie bei uns in Österreich.
Eine gesetzliche Umsetzung des Qualzuchtverbotes kann daher immer nur eine Einzelfallentscheidung sein. Jeder einzelne Fall müsste zur Anzeige gebracht werden und überprüft werden, ob der Tatbestand erfüllt ist oder nicht…und da sind wir wieder bei der schwierigen Nachweisbarkeit.

Als Dachverband für Hundezüchter gilt in Deutschland der VDH. Er erwartet von seinen Züchtern, dass sie wenn gesundheitliche Probleme vorliegen, nicht mit den kranken Tieren weiterzüchten.
Für einige Rassen sind spezifische Tests vorgeschrieben. Bestimmte Rassen unterstehen sogar direkt dem VDH, wie die Englische Bulldogge bei der im Jahre 2015 gerade einmal 15 Welpen gezüchtet wurden.
Der Markt für „Züchter“ bzw. Vermehrer außerhalb des VDH boomt jedoch nicht nur für die kurznasigen Rassen.
Was ist von ebay-Welpen und „Züchtern“ zu halten, die keinem Verband angehören der dem VDH angegliedert ist?

In den einzelnen Rassezuchtverbänden die dem VDH bzw. dem ÖKV angehören, sind gewisse Auflagen vorgeschrieben. Belastungstests, aber auch rassespezifische Gesundheitstests wie z.B. HD-Auswertungen für Rassen bei denen die Hüftdysplasie eine Rolle spielt oder Augenerkrankungen wie PRA und noch viele andere spezifische Tests spielen bei Elterntieren eine Rolle die zur Zucht zugelassen werden.
In Dissidenzvereinen (Vereine außerhalb des VDH) können auch gute Welpen gezüchtet werden, wenn die nötigen Untersuchungen stattfinden.

In Dissidenzvereinen ist Kreuzungszucht möglich, die eine Bereicherung für die genetische Vielfalt darstellt. Bei Möpsen z. B. konnte mit der Einkreuzung von Parson Russell Terriern eine Verlängerung des Gesichtschädels erzielt werden und so eine Verbesserung des Atemnotproblems erreicht werden. Dies ist unter dem VDH nicht möglich.
Doch auch in Rassehundezuchtvereinen die unter dem VDH züchten ist es jedem Züchter möglich in eine weniger extreme Richtung einer Rasse zu züchten, selbst wenn er die klassische Linienzucht praktiziert.

Da Heimtierzucht nicht gesetzlich geregelt ist, kann im Bereich der Hundezucht genau genommen jeder züchten was und wie er will. Da es auch ohne größeren Aufwand möglich ist einen Hundezuchtverband zu gründen und im Computerzeitalter auch die Erstellung attraktiver Abstammungspapiere kein Problem darstellt, sollte sich jeder Welpeninteressent im Vorfeld genau informieren.
Generell gilt: alle Hundezuchtverbände, auch jene die dem VDH angehören, sind private Verbände in denen es keine offiziellen Qualifikationsanforderungen für Funktionäre und Züchter gibt.

Bei Welpen ganz ohne Abstammungsnachweis die oftmals aus Importen stammen, fehlen in aller Regel notwendige Gesundheitstests und die Hunde bergen zudem noch andere Risiken.
Das Verhalten kann durch eine bereits frühe Trennung von der Mutter negativ beeinflusst sein und auch die Umstände unter denen die Mutter gehalten wird, bzw. die Welpen aufwachsen haben einen Einfluss. Die Epigenetik spielt hier eine nicht zu unterschätzende Rolle. Will man stressresistente, selbstsichere, ausgeglichene Hunde züchten, ist eine liebevolle Betreuung der Welpen in den ersten Lebenswochen durch die Mutter, aber auch durch den Züchter, eine unabdingbare Vorraussetzung.

Qualzucht ja oder nein
Ja oder nein?

Nun haben wir es mit der Kurznasigkeit, dem Zwergwuchs, der übermäßigen Bildung von Hautfalten mit eher optischen Anhaltspunkten zu tun die in den Tatbestand Qualzucht umschlagen können.
Doch auch in den Genen unserer Rassehunde finden sich Erbkrankheiten, die als „wesentliche Beeinträchtigung physiologischer Lebensabläufe“ unter die Definition Qualzucht fallen.
Neurologische Symptome (z.B. Epilepsie) oder der frühzeitige Tod durch die Herzmuskelerkrankung DCM beim Dobermann sind solche Beispiele. Warum scheitern hier mögliche Bekämpfungsstrategien?

Ein großes Problem bei der Bekämpfung genetischer Defekte ist die Tatsache, dass viele Hunde, die ein oder mehrere Defektgene tragen, von ihrem äußeren Erscheinungsbild völlig unauffällig sind. Zudem besteht häufig die Tatsache, dass nicht nur ein Gen beteiligt ist, sondern viele Gene und das erschwert die Bekämpfung.

Eine Möglichkeit Anlageträger von Nicht-Anlageträgern eines Krankheitsgens zu unterscheiden, wäre auf die Nachkommen zu schauen.
Viele Deckrüden haben aber bereits eine bestimmte Anzahl Welpen „zur Welt gebracht“ wenn die ersten Krankheitsfälle auftauchen und so kommt es auch bei der Zucht mit bestem Wissen und Gewissen zu Krankheitsfällen.
Im Falle von DCM beim Dobermann könnte eine Zuchtstrategie sein, die Deckrüden erst ab einem bestimmtem Alter der Zucht zuzuführen, da die meisten der erkrankten Tiere bereits vor dem 6. Lebensjahr versterben. Der Einsatz älterer, gesunder Zuchttiere ist bei Hündinnen jedoch eher schwierig, da hier auch immer ein gewisses Risiko für eine Schwangerschaft in zunehmendem Alter besteht.

Jede Rasse sollte deswegen individuell und kritisch betrachtet werden beim Auftauchen von Krankheitsfällen, um so mit geeigneten Maßnahmen gegenzusteuern.

Das erfordert in nicht wenigen Fällen ein Umdenken der Züchter und von Zuchtverbänden und eine intensive Kooperation zwischen Züchtern und Veterinärmedizinern.

Gibt es populationsgenetische Möglichkeiten um das Auftreten genetischer Defekte aufzuzeigen? Welche Chancen liegen in der Populationsgenetik?

Die Populationsgenetik ist eines der Standbeine der Hundezucht und gleichzeitig auch ein Stiefkind.
Ohne sie geht es nicht und doch werden sinnvolle Möglichkeiten die wir durch sie haben oft vergeben.
Die Einkreuzung von rassefremden Individuen wäre eine Möglichkeit die Varianz von Rassen mit genetischen Engpässen wie zum Beispiel dem Kromfohrländer zu verbessern und so auch gleichzeitig dem extremen Phänotyp entgegenzuwirken.

Die Kreuzung von Mops mit Parson Russell Terriern aus dem der Retro Mops entstanden ist wäre als Beispiel für die Möglichkeit, verloren gegangene Merkmale wieder in eine Population zu bekommen, zu nennen. Über solche Einkreuzungen lässt sich der Mops in zwei bis drei Generationen zu einem gesundheitsverträglichen Rassetyp verändern. Leider sind solche Kreuzungsprojekte oft nur außerhalb des VDH möglich. Und es ist auch schwierig geeignete Rüden als Kreuzungspartner zu bekommen, denn Züchtern die einen Rüden für eine Kreuzung zur Verfügung stellen, droht der sofortige Ausschluss aus dem Zuchtverband unter dem VDH. Ganz abgesehen davon lehnen die meisten VDH-Züchter Kreuzungen sowieso grundsätzlich ab.

Die Populationsgenetik bietet eine Reihe von züchterischen Instrumenten. Sowohl klassische wie die Decklimitierung von Rüden oder auch moderne wie der Einsatz molekulargenetischer Diagnoseverfahren.
Es gilt spezifische Lösungsansätze zu erarbeiten, die auf die jeweilige Rasse zugeschnitten sind. Dabei sollte man weder zu engstirnig auf der konservativen Reinrassigkeit beharren, noch die Risiken von fremden Defektgenen in der Einkreuzungszucht aus dem Auge verlieren.

Was ist von Designerhunden zu halten wie dem Puggle oder dem Labradoodle? Aktuell finden sie sich immer öfter und es werden nicht selten hohe Summen für diese Hunde bezahlt.

Grundsätzlich ist die Idee nicht schlecht – die Kreuzungstiere haben eine bessere Fitness und ihr Phänotyp ist anders als bei normalen Mischlingen vorhersagbar. Allerdings wird die Idee oft missbraucht.
Die Elterntiere müssen genau wie in der Reinzucht nach bestimmten Merkmalen und nach Gesundheit selektiert werden.

Falls die beiden Rassen vom Körperbau zu unterschiedlich sind, kommt es zu Problemen. Es können physiologische und nicht selten psychologische Belastungen entstehen, denn auch das Temperament der gepaarten Rassen muss zusammen passen.
Eine neue Rasse entsteht hier nicht – lediglich ein teurer Hybrid.

Auch exotische Fellfarben sind sehr gefragt aktuell. Wie Merle-Chihuahua oder silberne Labradore (charcoal). Wie beurteilen Sie diesen Trend in der Hundezucht?

Die Farbverdünnung die beim Weimeraner rassetypisch ist, kann sich bei der Einkreuzung mit einer anderen Rasse krankmachend für die Nachkommen auswirken.
Der silberne Labrador ist eine farbverdünnte Variante des braunen Labrador (Verdünnung von braun). Die Farbaufhellung wird durch eine Verpaarung mit dem Weimaraner erreicht und kann zu schlimmen Hautproblemen und Haarausfall bei den Nachkommen führen, wenn das Dilute-Gen vorliegt.

Auch bei der Verpaarung von 2 heterozygoten Merleträgern können bei den Nachkommen Probleme wie extremer Pigmentmangel mit Störungen der Sinnesorgane (Gehör, Sehvermögen, Gleichgewicht) auftreten.

Ein Wissen um die genetischen Feinheiten ist hier also von enormer Bedeutung.

Wie groß schätzen Sie den Einfluss von Ringrichtern im Ausstellungswesen ein, wenn es um die Ausprägung qualzuchtrelevanter Merkmale geht? 

Ein Richter muss sich im Ausstellungsring grundsätzlich am Rassestandard der jeweiligen Rasse orientieren.
Er hat jedoch einen sehr großen Interpretationsspielraum, mit dem er Abweichungen gewichtet und er entscheidet somit wen er auf den ersten Platz stellt. Qualzucht auch unter Zuchtverbänden?

So konnten im Laufe der Jahre aus kleinen Hunden extrem kleine werden, aus großen Hunden riesige und aus kurzköpfigen Hunden völlig nasenlose werden.
Obwohl die Ausbildung von Richtern sehr anspruchsvoll ist, scheinen die Bereiche die genetisches und veterinärmedizinisches Wissen betreffen, eher stiefmütterlich behandelt zu werden.

…und der Einfluß der Zuchtverbände?
Ein Ringrichter der seine Funktion auch regelmäßig ausüben möchte, muss sich zwangsläufig an den Intentionen des Zuchtverbandes orientieren, die die Entwicklung einer Rasse mitsteuern. Somit sind Zuchtverbände ebenfalls eng an der Tendenz die eine Hunderasse nimmt beteiligt.

Ja oder nein?

Viele Menschen haben durch die Presse, die Medien und eigene Erfahrungen das Vertrauen in Züchter des VDH verloren. Ist selbst verantwortungsvolle Zucht unter einem Dachverband zu einem Glücksspiel geworden?

Wäre es besser man holt sich einen Welpen aus einer ungeplanten Hobbyzucht bei der zwei Rassehunde ohne Papiere gepaart wurden um der Mutterhündin einmal Welpen zu schenken?

Der Zufall spielt immer eine nicht zu unterschätzende Rolle. Aus Resignation zum Hinterhofzüchter zu wechseln ist sicherlich auch keine Lösung. Der Welpenkäufer trägt jedenfalls auch viel Verantwortung. Er sollte sich vor dem Kauf umfassend über die gewählte Rasse informieren und beim Züchter gezielte Fragen stellen. Dann kann er das Risiko für sich abschätzen.
Ein entscheidendes Kriterium bei einem verantwortungsvollen Züchter ist neben gesundheitlichen Tests zudem der Fokus auf einer guten und liebevollen Frühsozialistation der Welpen.

Eine letzte Frage. Der Welpenkäufer hat enorme Macht wenn es um einen Ausweg aus dem Qualzuchtdilemma geht. Hätten Sie drei Wünsche frei, was würden Sie sich für diese Gruppe wünschen?

Information, Information, Information!
Was sind die typischen Krankheiten der Rasse? Passt der Charakter?… und, und, und.

Die wenigsten Hundekäufer informieren sich im Vorfeld umfassend über die möglichen gesundheitlichen Belastungen einer Rasse. Jeder Käufer eines Kühlschrankes oder eines Autos besitzt mehr Hintergrundinformationen über das Objekt das er kaufen will. Wir haben es hier jedoch mit lebenden Geschöpfen zu tun.

Deswegen sollte keine Entscheidung aus dem Bauch heraus getroffen werden. Wichtig sind sachliche Informationen.

Der Käufer trägt eine enorme Verantwortung, die Nachfrage bestimmt den Markt.

Ich bedanke mich für dieses aufschlussreiche Interview Frau Professor!

 

Zur Person:
Als eine der führenden Expertinnen auf dem Gebiet der kynologischen Genetik gilt Dr. Irene Sommerfeld-Stur.
Bis zum Juni 2012 lehrte und arbeitete sie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Aber auch in Ihrem Ruhestand ist sie der Hundegenetik treu geblieben. Vor allem die Schwierigkeit um Erbfehler und die Sachverhalte um die Qualzucht, als auch populationsgenetische Aspekte und Verhaltensgenetik sind ein Schwerpunkt ihrer Arbeiten.

Die Erkenntnisse ihrer jahrzehntelangen Forschung hat sie unter anderem in ihrem wegweisenden Buch „Rassehundezucht“ veröffentlicht.

Beratung, Vorträge und Seminare für Züchter und Zuchtverbände und ihre Autorentätigkeit für das Hundemagazin WUFF ergänzen ihre Tätigkeiten für die unterstützende Aufklärung in diesem schwierigen wissenschaftlichen Feld.

Privat führt sie einen Blog auf dem Hundehalter und Hundezüchter einen bunten Strauß fachlicher Themen vorfinden, der komplizierte genetische Zusammenhänge frei und gut verständlich zugänglich macht. Eine absolute Pflichtlektüre für alle Beteiligten die sich dem Thema Rassehundezucht verschrieben haben.
Hunde sind bis heute ihre große Liebe neben der Wissenschaft…

9 Comments

  1. Dieser Artikel ist wirklich gut und hilfreich. Ich merke durch Gespräche mit meinen Privatkunden immer wieder, dass hier Aufklärungsbedarf besteht…. und darum werde ich diesen Artikel auch teilen. Viele denken, Züchter sei gleich Züchter und sehen einen hohen Kaufpreis als Zeichen für Seriösität… leider … und dann wird sich über Erbkrankheiten, körperliche Schwäche, Wesensfehler etc beschwert. Ich frage mich oft, warum sich Menschen nicht vor dem Kauf eines Hundes über den Züchter und die Hunde mit denen gezüchtet wird informieren. Auch als Leihe kann man sich doch Gedanken machen … mir selbst sind z.B Züchter, die in einem rasanten Tempo mehrmals das Alphabet runter züchten von Grund auf unsympathisch. Ich nehme es mir raus, Aufträge von in meinen Augen unseriösen Züchtern abzulehnen.

    1. Danke Patricia, das freut mich sehr.
      Ja wenn es so einfach wäre, leider sehe ich es öfter, dass die Leute tatsächlich um die Tatsache wissen dass sie beim Vemehrer kaufen und den Hund dann trotzdem retten wollen. Die armen ausgeschlachteten „Zucht“hündinnen leiden dann weiter.
      Schön, wenn du dir deinen Pathos bewahrst und die schwarzen Schafe der Züchterwelt ablehnst. Finde ich sehr gut.
      Ich stehe voll und ganz hinter Welpen von VDH-Züchtern, auch wenn dort auch leider der ein oder andere Unbelehrbare zu finden ist. Gerade bei den Brachezyphalen, wird das Wohl des Hundes oftmals einer Optik geopfert, die mich traurig macht.

      Es bedarf leider noch einiges an Aufklärungsarbeit.
      LG Danni

  2. Spannend, sehr spannend. Ich finde das Thema als Privatperson sehr schwierig. Ich habe mich selbst für 2 Rassenhunde entschieden. Jedoch habe ich lange nach dem geeigneten Züchter gesucht und würde von ihm jedes Mal wieder einen Hund holen. Die Züchterin steckt viel Herzblut in ihre Zucht und redet vor allem nicht schön. Das war mir wichtig, von allen medizinischen und für mich unerlässlichenUntersuchungen mal ganz abgesehen.
    Ich bin mehr als zufrieden mit meinen Beiden, sie sind gesund munter und ich bin den Aussies verfallen, schon seit sicher einem Jahrzehnt bevor der Boom losging . Die Entwicklung der Rasse bereitet mir jedoch vor allem in den letzten Jahren große Bauchschmerzen.
    Die nächsten Jahre wird hier kein neuer Hund einziehen und wer weiß wenn die Zeit reif ist , ob ich auch vielleicht mal einem Hund aus dem TS ein Zuhause biete. Dieser Gedanke nimmt bei mir nämlich immer mehr gestalt an.

    Ich bin sehr gespannt was sich die nächsten Jahre in der Rassehundzucht tun wird, ich spehe da noch sehr viel Aufbesserungsbedarf.

    LG Lily mit Suki und Jussi

    1. Hallo Lily,
      danke für deine Schilderung, man merkt wirklich, dass du den Aussies verfallen bist. Toll auch, dass du mit deiner Züchterin keine von den schwarzen Schaafen erwischt hast, die es ja nunmal auch gibt in der Herde.
      Als ich damals mit 20 den Gang zum Züchter antrat, war ich voll Freude auf das neue Familienmitglied und ich war bitter enttäuscht, als gleich mehrere Erbkrankheiten bei meinem Hund auftauchten, beim zweiten ebenfalls. Für mich ist der Punkt erreicht wo ich „meiner“ Rasse den Rücken kehre…aber ich bin wie Du, sehr gespannt wie es mit der Hundezucht generell weitergeht und ob es eine Entwicklung hin zum fachlichen Austausch mit Experten gibt.
      Ich würde es mir sehr wünschen…
      GLG Danni

  3. Danke fuer das Interview, habe als Hundezuechter/Aussteller was dazu gelernt, das Konzept des retro-Mops war mir nicht bekannt und ich hatter frueher Brachiozephalen. Richtig es gibt ueberall schwarze Schafe aber die Zuchtverbaende koennen nicht als genetische Polizei fungieren, in Deutschland ist nicht der VDH sondern die Rassehundeclubs verantwortlich fuer den Standard (Dt Mops Club fuer Mops etc.). Der Fakt das der VDH den Standard der EB uebernommen hat, zeigt das das Problem bewusst ist. Ich denke das das Konzept des Retro-Mops einen Weg weisen koennte wie das Problem angegangen werden kann.

    Ich kenne viele Zuechter wie mich, die das Zuechten der stark betroffenen Rassen (Pekingese, Mops etc) aufgegeben haben, ich selber habe nun eine langnasige Rasse ohne exzessive Gesundheitsprobleme, Coton de Tulear, aber selbst hier ergeben sich durch die geringe Verbreitung Genpoollimitationen und Erbkrankheiten fuer die wir testen.

    Der Verbraucher muss verstehen das all diese Erwartungen von Zuechtern erfuellt werden koennen aber Geld kosten, was den Welpenpreis erhoeht.

    1. Lieben Dank für ihren interessanten Beitrag. Schön, dass es Züchter gibt, die das Problem anerkennen und ihre Schlüsse daraus ziehen…auch wenn es für Sie als Rasseliebhaber sicher ein trauriger Schritt war.
      Ich bin gespannt was die Zukunft hier für die Rassen weisen wird.
      Beste Grüße

  4. Hallo Danni,
    mit großem Interesse habe ich das obige Interview gelesen. Deine vorletzte Frage:
    „…wäre es besser, man holt sich einen Welpen aus einer ungeplanten Hobbyzucht, bei er zwei Rassehunde ohne Papiere gepaart wurden…..“ fand ich einfach nur super.
    Mein Arco stammte aus so einer „Zucht“. Ich hatte sogar die Stammbäume von seinem Vater und seiner Mutter in Kopie von den „Züchtern“, sprich Privatleuten, bekommen, die meinen Arco mit sehr, sehr viel Liebe bis zu seiner 10. Woche versorgt haben.
    Mein Arco war ein super ausgeglichener, toller „Seelenhund“ (wie du immer sagst)! Er war fast sein ganzes Leben lang gesund und hat mir nur sehr wenig Tierarztkosten verursacht.
    Ich wünschte mir, dass alle Hundefreunde (die echten meine ich) nicht zu einem Rasse-Züchter gehen sollten, geschweige denn sich ein Tier aus dem Internet holen sollten.
    Es gibt viele Privatleute, die ihre Hündin mal decken lassen und dann die Welpen sehr preisgünstig (auch tierärztlich versorgt) abgeben.
    Ich habe z.B. für meinen reinrassigen Deutsch-Drahthaar damals gerade mal 250,–€ bezahlt!!!
    Ich habe nicht nur einen tollen Hund bekommen, sondern auch Freunde fürs Leben gewonnen, denn ich habe immer noch sehr guten Kontakt mit seinen (Arco’s) „Zieheltern“.

    LG Gudrun

    1. Hallo Gudrun,
      es war nicht meine Intention die Zucht außerhalb des VDH zu loben bzw. mit gezielten Fragen zu denunzieren.
      Wie im Beitrag deutlich wird, werden auch bei Dissidenzzuchten und Privatzuchten wichtige Gesundheitsuntersuchungen nicht durchgeführt. Ich bin nicht pro VDH und nicht pro Dissidenz, da in beiden „Lagern“ schwarze Schaafe vorkommen.
      Wie Fr. Irene Sommerfeld-Stur betont, sollte man sich im Vorfeld genauestens informieren. DAFÜR bin ich…niemals würde ich mir einen Hund bei Privatpersonen kaufen, die keine gesundheitlichen Untersuchungen haben durchführen lassen im Vorfeld.

      Schön, dass du das Glück hattest mit Arco einen gesunden Hund neben dir zu wissen, das freut mich sehr!
      LG Danni

      1. Hallo Danni,
        da habe ich mich wohl ein wenig missverständlich ausgedrückt. Selbstverständlich haben meine Freunde alle notwendigen Untersuchungen vor der Deckung ihrer Hündin durchführen lassen. Da habe ich mich auch vorher erkundigt.
        Sie sind beide erfahrene Jäger und ihre Hunde haben ihnen immer schon alles bedeutet. Für sie ist ein Hund ein Familienmitglied, das nicht im Zwinger verkümmert, sondern sehr liebevoll versorgt wird (in jeder Hinsicht). Alle 9 Welpen aus dem (einmaligen) Wurf waren vollkommen gesund. Ein Teil von denen lebt heute noch. Sie wurden auch erst nach eingehender Prüfung der neuen Besitzer weiter gegeben.
        Übrigens: meine Freunde haben jetzt einen tollen DD-Rüden. Das mit dem Decken ihrer damaligen Hündin war eine einmalige Sache.
        LG Gudrun

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