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Der Eichenprozessionsspinner – ist die Raupe gefährlich für den Hund?

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Der Eichenprozessionsspinner und seine Schadwirkung bei Hunden…

Heute möchte ich Euch einen kleinen Einblick in meinen Beruf geben, denn meine Brötchen verdiene ich mit etwas ganz anderem, als Bloggen bzw. DIY und Hundekeksrezepten.
Mit dem Eichenprozessionsspinner und seiner Schadwirkung beim Hund, ergibt sich jedes Frühjahr ein Berührungspunkt zu diesem Blog und ich möchte heute gerne mein Expertenwissen bei der speziellen Problematik mit einfließen lassen um so ein wenig zur Aufklärung beizutragen.

Von Berufswegen bin ich Gutachterin bzw. Sachverständige für Bäume und FLL-zertifizierte Baumkontrolleurin.
Unter anderem ist es meine Aufgabe, Entscheidungsträger in Gemeinden, Großstädten und Privatbesitzer von Bäumen in Bezug auf die Verkehrssicherheit zu beraten. Gefährliche Baumkrankheiten, Verletzungen, Pilzerkrankungen, tierische Schadorganismen an Bäumen – alles was sich als gefährlich für den Menschen bzw. für die sogenannte Verkehrssicherheit des Baumes erweisen kann, wird von jemand wie mir, auf seine Schadwirkung beurteilt.

Die Diskussion um den Eichenprozessionsspinner

Jedes Jahr aufs neue finden Horrorbeiträge von verätzten bzw. durchlöcherten Hundezungen ihren Weg zu Facebook, wo sie dann in guter Absicht weitergereicht werden. In der überwiegenden Zahl der Fälle, steht ein fachlich unkorrekter Text darunter, der häufig noch nicht einmal die richtige Raupenart nennt, geschweige denn inhaltlich korrekte Angaben zum Sachverhalt aufweist. Tatsächlich sind es meist Tierarztseiten, die solche Bilder zeigen und der Leser vertraut häufig auf deren Know-How und die Allgemeingültigkeit der gezeigten Bilder.

Leider findet man solche Beispiele, die inhaltlich falsche Tatsachen transportieren, nicht nur auf Social Media Kanälen, sondern auch auf seriösen Portalen. Selbst in Magazinen und sogar in der Tagespresse tauchen falsche Namen, Gattungen oder auch falsche Bilder auf. Meist wird noch nicht einmal die richtige Baumart erwähnt und sehr häufig wird eine Verwechslung mit dem Kiefernspinner vorgenommen.
Auch das Datum stimmt häufig noch nicht mal ansatzweise mit den Larvenstadien überein, weswegen „Vorkommnisse im Praxisalltag“ im März und April faktisch nicht möglich sind, da zu dieser Zeit noch garkeine Schadwirkung durch den Eichenprozessionsspinner existiert.

Der Eichenprozessionsspinner (EPS)

Der Thaumetopoea processionea L., so der lateinische Name, ist eine Schmetterlingsart und entwickelt sich in verschiedenen Stadien.
Die einzelnen Stadien der Entwicklung sind:
Das Ei – die Larve – die Puppe – der Schmetterling

Der Falter ist 25 bis 32 mm groß und weist eine eher unscheinbare braune Farbe auf. Nach der Verpaarung legen die Weibchen ihre Eier (bis 300 Stück) in den Eichen ab, wo sie sich im Herbst zu kleinen Eiräupchen entwickeln, jedoch im Ei überwintern.

Mit Eintreffen des Frühlings, erwachen die Eiräupchen und beginnen zu schlüpfen. Ihre weitere Entwicklung gliedert sich in sechs Stadien.
Die jungen Raupen fressen zunächst die austreibenden Knospen und sobald sich die Blätter entfalten, beginnt der Lochfraß und die Prozession der vorwiegend nachtaktiven Raupen.
In dieser Phase ist die Raupe auch um den Baum herum anzutreffen und kommt mit fortschreitendem Wachstum in das kritische L3-Stadium. Sie haben eine dunkle, breite Rückenlinie mit samtartig behaarten Feldern und rotbraunen, langbehaarten Warzen. Sie leben gesellig und gehen in Gruppen von 20 bis 30 Individuen im „Gänsemarsch“ auf Nahrungssuche, daher auch ihr Name: Prozessionsspinner.

Die langen Brennhaare sind bereits vor dem 3. Larvenstadium gut zu erkennen.

Gesundheitsgefahren

Mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit hat das Insekt ab dem 3. Larvenstadium.

Ab hier enthalten die Brennhaare auf dem Rücken des Eichenprozessionsspinners das allergieauslösende Gift.

Durch die Berührung mit Blättern oder durch Windbewegungen können die Haare abbrechen und auf den Boden fallen. Mit dem Wind können dann kurze oder weite Strecken (mehrere 100 m) zurückgelegt werden, ehe die Haare auf den Boden treffen oder anderweitig aufgenommen werden können.

Ab hier KANN es potentiell „gefährlich“ werden. Sowohl für den Menschen, als auch für den Hund.

Wann und wo ist der Eichenprozessionsspinner anzutreffen?

Je nach Witterung (es sollte längere Zeit trocken und warm gewesen sein) ist die Zeit für das kritische 3. Larvenstadium jedes Jahr unterschiedlich zu datieren und noch speziell nach den Regionen in Deutschland zu unterscheiden. Meist ist der beginnende Sommer (Anfang Mai) ein ungefährer Wert, der sich jedoch im Zuge des Klimawandels immer mehr verschiebt.

Die Verpuppung erfolgt dann schließlich im Laufe des Juni in Nestern am Baum.

Eichenprozessionsspinner
Altes Eichenprozessionsspinnernest, jedoch mit aktiven Brennhaaren
Die Raupe ist ein sogenannter Gesundheits- bzw. Hygieneschädling und ist an allen Eichenarten (Stieleiche, Traubeneiche und Roteiche) in Deutschland zu finden. Im Süden und der Mitte Deutschlands ist sie häufiger vertreten als im Norden. Im Zuge der Klimaerwärmung zeigt das Monitoring jedoch auch eine deutliche Zunahme im Norden Deutschlands.

Überall wo Eichen stehen, ist eine Besiedlung mit dem Eichenprozessionsspinner möglich
.
  • Waldränder
  • Sportplatz
  • Schwimmbad
  • Kinderspielplatz
  • Campinganlagen
  • Parkplätze
  • Grünstreifen/Parkanlagen
  • usw.

Im Stadtgebiet ebenso wie auf dem Land oder im Wald.

Wo am Baum sitzt der Eichenprozessionsspinner

 
Am Stamm und in den oberen Astgabelungen finden sich Nester, in die sich die Raupen nach dem Fraß zur Verpuppung zurückziehen. Diese Nester bleiben nach dem Flug der Falter am Baum zurück und enthalten auch noch Jahre! nach der eigentlichen Besiedlung mit der Raupe die Allergie auslösenden Brennhaare der Larve.
 
 
Eine Gefahr durch alte Nester im unteren Bereich ist also GANZJÄHRIG möglich, auch wenn das Larvenstadium schon überwunden ist und bereits die ungefährlichen Falter aus der Verpuppung hervorgegangen sind.

Ist der Eichenprozessionsspinner gefährlich für den Hund?

Die allergische Reaktion des Immunsystems kann individuell sehr unterschiedlich ausfallen. Der Eichenprozessionsspinner kann die Gesundheit des Hundes bzw. des Menschen gering beeinflussen oder aber auch (massiv) bedrohen. ¹Das Gefährdungsspektrum ist durch die  individuelle wirkungsweise im Körper unterschiedlich.

Zu den Symptomen gehören:

  • lokale Hautausschläge (Raupendermatitis), die sich in punktuellen Hautrötungen, leichten Schwellungen, starkem Juckreiz und Brennen äußern. Oft bilden sich auch Bläschen an den betroffenen Stellen.
  • Reizungen an Mund und Nasenschleimhaut durch Einatmen der Haare, was zu Husten und Asthma führen kann.
  • Begleitend können anderweitige Symptome wie Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung durch Reizung der Augen auftreten.
  • In seltenen Fällen treten auch allergische Schocks auf.

Die Brennhaare der Raupen enthalten das Eiweiß Thaumetopoein. Die Haare dringen mechanisch in die Haut ein (ähnlich wie bei der Brennessel) und verbreiten so die Substanz auf biochemischem Weg im Körper.
Besonders betroffen sind Hautpartien an der Schnauze oder im Mund des Hundes. Die Augen oder die Pfoten stellen aber ebenso eine potentielle Kontaktstelle dar.
Falls die Haare in Form von Nahrung in den Körper gelangen, sind Reizungen/Schwellungen der Zunge und der Speiseröhre möglich.

Wie kann der Hund in Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner kommen?

  • beim Schnüffeln im Eichenlaub
  • beim Ablecken des eigenen Fells nach Aufenthalt unter Eichenbäumen die vom Eichenprozessionsspinner befallen sind
  • generell beim Aufenthalt unter befallenen Eichen
  • nach dem Kontakt mit Altnestern
  • …und naturlich beim direkten Kontakt mit der Raupe

Das Bild zeigt ein abgefallenes Altnest, das noch viele aktive Brennhaare enthält.
Auch hier ist Vorsicht geboten!

Was ist bei einem Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner zu tun?

Natürlich sollte umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden, um den möglichen Verdacht oder den Vorfall zu schildern. Alles weitere kann nur die individuelle Reaktion des Hundes, der Katze oder auch des Pferdes vorgeben.

Die schweren Fälle bei Menschen die mir bekannt sind, oder bei denen ich zugegen war, stellten die Ärzte vor eine große Herausforderung, da die individuelle Reaktion eine ebenso individuelle Behandlungsweise erforderte und die fehlenden Erfahrungen mit dem Schädling eine gezielte Therapie erschwerten. Cortison war häufig das Mittel der Wahl.

Fazit:

Da mit den potentiellen Gefahren, leichte Panikmache erzeugt werden kann, ist eine sachliche Auseinandersetzung mit der Bevölkerung oftmals schwierig in der Umsetzung. Auch existieren meines Wissens nach keine wissenschaftlichen Nachweise von den Gefährdungsspektren und den Auswirkungen beim Hund, da die Symptome oftmals mit anderen Allergien in Verbindung gebracht werden.
Die Schadwirkung des Eichenprozessionsspinners beim Hund ist sehr individuell und bei einem potentiellen Kontakt ist der Gang zum Tierarzt erforderlich.

Dennoch ist ein Wissen um die möglichen Gefahren sinnvoll, um einer übertriebenen Panik vorzubeugen und um den Kontakt durch eine breite Informationsbasis zu vermeiden.

Die Grafik darf gerne zu Anschauungszwecken und ohne kommerziellen Hintergrund geteilt werden.

 

Verweis: ¹Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft

6 Comments

    1. Lieben Dank, meine Liebe!
      Ich freu mich auch, es hat mich immer sehr erfüllt wissenschaftlich zu arbeiten.
      Schön, dass ich die Rezepte und die Basteleien als Ausgleich habe.
      Freu mich, wenn dir der Bericht gefallen hat *Bussi werf*!
      LG Danni

  1. Liebe Dani, das ich ein toller Artikel. Sehr informativ und vor allem ein Thema was ich so noch nicht gelesen habe. Danke für die umfangreiche Information. Lg Claudia&Lady

    1. Hi Claudia,
      freu mich dein Interesse geweckt zu haben.
      …und liebend gerne, war schön, auch mal aus der anderen Fachsparte zu berichten.
      LG

  2. Auch mein Dienstherr hat mit dem Problem der Eichenprozessionsspinner zu tun und es stellt sich immer wieder die Frage, ob wir als Straßenbaulastträger zur Wahrung der Verkehrssicherheitspflicht aktiv werden müssen oder nicht. Wenn etwas passiert ist das schlimm, aber präventiv mit Pestiziden zu agieren der Natur und dem Menschen gegenüber unverantwortlich. Ein schwieriges Thema, aber Deinen Beitrag fand ich sehr spannend zu lesen.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    1. Hallo Sabine,
      ja rechtlich „kommt es immer darauf an“, wie, wo, wie hoch frequentiert, das ist ein echtes Dilemma.
      Da die Bekämpfungsmaßnahmen auch von jedem Bundesland unterschiedlich gehandhabt werden, ergibt sich eine weitere Undurchsichtigkeit in puncto Eichenprozessionsspinner.
      Schön, dass du den Beitrag spannend fandest, hoffe er erreicht viele und trägt ein wenig zur Aufklärung bei.
      Herzliche Grüße von uns

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