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3 Gründe warum du mit deinem Welpen keine gute Bindung aufbauen wirst und wie du es besser machst

Daniela4 comments15938 views

Zu Gast im Hundebloghaus…heute gibt es ein Leckerli, dass ausnahmsweise mal nicht selbstgebacken ist. Wir haben eine Gastautorin zu Besuch.

Für mich ist das oberste Gebot im Training mit meinen Hunden, eine gute gegenseitige Bindung zu erreichen. Die Jungs müssen sich auf mich verlassen können, denn das erwarte ich ja schließlich auch von Ihnen.
Doch wie erreicht man das?

Ich habe eine allseits bekannte Fachkompetenz aus dem Hundetrainersektor zu uns ins Hundebloghaus eingeladen und Sie hat „Ja“ gesagt. Wir freuen uns riesig, dass Sie ein wenig aus ihrem Erfahrungsnähkästchen plaudert!
Die Jungs und Ich wünschen Euch viel Spaß mit dem Artikel unserer Gastautorin Ulrike Seumel zu „DEM“ Grundbaustein schlechthin in einem verlässlichen Mensch-Hund-Team: Bindung

3 Gründe, warum du mit deinem Welpen keine gute Bindung aufbauen wirst – und wie du es besser machst

Sobald der Welpe eingezogen ist, möchtest du alles richtig machen und freust dich auf viele gemeinsame und spannende Jahre mit deinem Hund. Damit du ab dem ersten Tag auch die Weichen für eine gute und sichere Bindung stellst, habe ich drei Gründe für dich, die dir diesen Weg erschweren können.

1. Grund: Du hast Spaß, aber dein Welpe?

Der kleine Schäferhund Willi ist vor wenigen Tagen umgezogen in sein neues Zuhause. Plötzlich hat sich alles für ihn verändert – es riecht anders, seine Geschwister fehlen und zwei fremde Menschen sind den ganzen Tag in seiner Nähe. Willi ist müde und aufgedreht zugleich durch die anstrengenden ersten Tage, die hinter ihm liegen. Er hat schon seine komplette neue Familie, die Nachbarn und viele andere fremde Welpen kennengelernt. Sein größtes Hobby ist auf weichen Gegenständen rumzukauen, denn das macht ihm Spaß und Willi fühlt sich dann besser. Seine neue Familie hält davon leider nicht so viel, denn der Teppich ist ein Familienerbstück. Spielzeug gibt es leider keins für Willi, außer in den kurzen täglichen Spieleinheiten.

Du siehst – Probleme und Konflikte sind vorprogrammiert. Und wie so oft im Leben liegt es daran, dass die Bedürfnisse von allen Beteiligten stark auseinander gehen. Willi braucht vor allem Ruhe, Schlaf, Geborgenheit und weiche Gegenstände, an denen er kauen darf. (Die Grundbedürfnisse wie Essen und Wasser sind natürlich selbstverständlich.) Auf der anderen Seite möchte seine neue Familie viel mit Willi erleben und mit ihm die ganze Welt erkunden. Und auf ihren niedlichen Welpen sind sie extrem stolz.

Um deinen Hund ein tolles Leben zu schenken und um eine gute und sichere Bindung aufzubauen, musst du auf die Bedürfnisse deines Welpen und später auch erwachsenen Hundes achten und diese erfüllen.

Du hast wie jeder andere auch eine Vorstellung von Hunden im Kopf. Diese Vorstellung ist aber nur in deinem Kopf und wird nicht auf jeden Hund passen. Deshalb solltest du dich fragen, was braucht mein Welpe aktuell und was macht ihm Spaß? Wann braucht er Schutz, Sicherheit und eine Pause?

Wenn du die Bedürfnisse deines Welpen kennst, kannst du sie stillen und dein Welpe wird sich wohlfühlen. Das ist nicht nur die Grundlage für eine gute und sichere Bindung, sondern auch die Grundlage für ein gutes Training. Wenn sich dein Welpe wohl fühlt und ausgeglichen ist, wird er besser lernen können.

Beobachte deinen Welpen – was zeigt er oft an Verhalten und was scheint ihm Freude zu machen. Dadurch weißt du, welche Spiele und welche Beschäftigung zu ihm passen. Der kleine Willi wäre auf jeden Fall glücklich mit einem leichten Zerrspiel, bei dem er sein Kaubedürfnis stillen kann. Und er sollte unbedingt immer Spielsachen oder Kauartikel in seiner Nähe haben, um sein Kaubedürfnis stillen zu können, denn nur so bleibt der Teppich heil. Wenn Willi diese Bedürfnisse stillen konnte, kann er sich auch auf andere Spiele und Beschäftigungen einlassen, die dem Menschen Spaß machen und für Willi ganz neu sind.

2. Grund: Ihr habt keine gemeinsame Sprache.

Du bist ein Mensch, dein Welpe ist ein Hund. Und in den meisten Fällen kann schon ein Welpe dich besser lesen als du ihn.

Wenn du die Körpersprache und das Ausdrucksverhalten von deinem Hund lesen kannst, weißt du

  • welche Beschäftigung ihm Freude bereitet

  • wann er genug hat

  • wann es Zeit für eine Pause oder wann Schlafenszeit ist

  • wann eine Situation für deinen Welpen zu viel wird

Kurz: Du weißt, was dein Welpe braucht und wann er es braucht.

Der kleine Willi merkt, dass seine Blase sich meldet. Also läuft er zu Tür und schaut auf die Klinke. Willi hat schon gelernt, dass er immer durch dieses Ding nach draußen kommt und sich dort entspannt lösen kann. Aber niemand schenkt Willi Beachtung. Er läuft zu seiner Bezugsperson zurück und schaut sie kurz an, um danach nochmal zur Tür zu laufen und dann wieder auf die Klinke zu starren. Aber die Menschen, die bewegen sich keinen Meter. Willi fiept einmal kurz und schaut wieder wie gebannt auf die Tür – die Menschen schauen ihn an, aber setzen sich auch jetzt nicht in Bewegung. Langsam wird Willi unruhig, denn die Blase drückt und das Zeug muss raus. Er läuft unruhig auf und ab und läuft immer wieder zur Tür. Irgendwann kann er seine Blase nicht mehr kontrollieren und eine kleine Pfütze landet vor der Tür. Willi hat auf seine Art versucht seinen Menschen zu zeigen, was er braucht.

Nicht nur für das Training der Stubenreinheit musst du deinen Hund beobachten und verstehen können. Auch um eine gute und sichere Bindung aufzubauen, denn ansonsten lernt dein Hund vom ersten Tag an, dass er sich auf dich nicht verlassen kann. Übrigens einen Hund wie Willi dann für die Pfütze zu bestrafen, ist nicht nur absolut fehl am Platz, sondern Gift für die Beziehung zwischen Hund und Mensch. Wenn dein Hund sich nicht auf dich verlassen kann und du ihm dann auch noch Angst machst, sorgt das nicht für eine sichere Bindung zwischen euch.

Durch das Beobachten deines Welpen wirst du schnell zum Spezialist für deinen eigenen Hund und kannst damit auch schnell die Bedürfnisse deines Hundes erkennen. So kannst du deinen Hund unterstützen, wenn er es braucht.

3. Grund: Da muss er durch!

Dank zu wenig Schlaf ist Willi nicht in Bestform, denn nicht nur bei Kindern gilt: Nach müde, kommt blöd. Und damit wird für Willi der Alltag schnell zu viel. Beim Spaziergang zieht er an der Leine und erschrickt schnell bei Tüten oder anderen Gegenständen, die plötzlich am Wegesrand liegen. Zu hoffen, dass sich Willi daran gewöhnt und schon lernt damit klar zu kommen, geht schnell in die Hose.

Du bist es, der seinen Welpen in Situationen bringt, die für ihn schwierig sind. Also bist auch du die Person, die ihm helfen muss in diesen Momenten. Wenn dein Welpe schwierigen Situationen immer ausgeliefert ist und keine Chance hat etwas zu tun, was die Situation für ihn besser macht, fühlt sich dein Welpe immer schlechter – Angst, Frust, Wut und vor allem Hilflosigkeit sind vorprogrammiert. Dein Welpe lernt, dass er in deiner Gegenwart keine Chance hat, dir zu zeigen, was er braucht. Dein Welpe lernt, dass du keine Hilfe bist. Du kannst seine Körpersprache und sein Ausdrucksverhalten nicht erkennen. Und dabei bist du für die Fürsorge deines Welpen verantwortlich.

Dein Welpe ist überfordert und merkt, dass du es ihm nicht leichter machst. Nicht nur, dass den Welpe dann schnell lernt unerwünschte Verhaltensweisen zu zeigen – er lernt, dass du nicht der sichere Hafen bist in so einer Situation.

Du musst deinem Welpen die Chance geben an kleinen Herausforderungen zu wachsen. Aber du musst herausfinden, welche Herausforderungen dein Welpe meistern kann und für welche er noch etwas mehr Zeit braucht. Wie viel Unterstützung dein Welpe braucht, ist individuell. Deshalb beobachte deinen Welpen und sorge zum Beispiel durch kleine Suchspiele oder einen ganz einfachen und kleinen Hindernisparcours für Erfolge. Zu Beginn sollte dein Welpe schnell Erfolg haben, damit er nicht die Lust verliert oder sich mehr traut.

Und ganz wichtig ist, dass dein Welpe freiwillig mitmacht und aufhören kann, wenn er genug hat. Wenn du deinen Welpen an der Leine über einen Baumstamm ziehst, wirst du dich vielleicht freuen, aber dein Welpe wird das nicht als Erfolg und auch nicht als angenehm empfinden. Das Selbstvertrauen deines Welpen wird wachsen, wenn er Herausforderungen allein meistert, während du ihn so viel Unterstützung gibst, wie er in diesem Moment braucht.

Fazit

Eine gute und sichere Bindung entsteht nicht durch einen guten Moment, sondern durch eine Vielzahl an positiven Interaktionen zwischen Mensch und Hund, die den Alltag ausmachen sollten.

Und da wir Menschen uns für einen Hund entscheiden, sollten wir den größten Teil zu diesen positiven Interaktionen beitragen, denn nur dann kann auch der Hund seinen Teil beitragen.

Deshalb achte darauf,

  • dass du die Bedürfnisse deines Hundes erkennst und dafür sorgst, dass sie ausreichend erfüllt werden.

  • dass du deinen Hund lesen und verstehen lernst, um deinem Hund Vertrauen zu schenken und um ihn unterstützen zu können, wenn er es braucht.

  • dass du deinen Hund nicht überforderst, sondern ihn wachsen lässt durch Herausforderungen, die er mit Erfolg meistern kann.

Und merke dir, dass Zwang nicht dafür sorgt, dass dein Welpe gern in deiner Nähe ist und auch keine sichere Bindung schafft. Und auch wenn du keinen Welpen mehr Zuhause hast – für eine gute und sichere Bindung ist es nie zu spät.

Über die Autorin

Ulrike Seumel arbeitet als Trainerin für Menschen mit Hund in Potsdam. Sie schreibt einen Blog über Hundetraining und liebt Gemüse über alles.

Eine fundierte Ausbildung bei CumCane, ständige Weiterbildungen und Erfahrungen mit den verschiedensten Menschen und Hunden bilden die Grundlage ihrer Arbeit.

Zum Training mit Hunden und ihren Haltern kam sie über ihren Hund Paco, da der Ratschlag Angst zu ignorieren, keinen Erfolg brachte und Paco nicht mehr das Haus verlassen wollte.

Mittlerweile unterstützt sie Menschen mit Hund weltweit auch in Onlinekursen, damit diese wieder den gemeinsamen Spaziergang genießen können. Ihre Internetpräsenz mit vielen hilfreichen Ratschlägen solltet ihr Euch unbedingt mal angeschaut haben.

Link zur Homepage

Ihr könnt Euch aber auch gerne ihr Instagramprofil ansehen oder sie bei facebook besuchen.

…und wenn ihr dann immer noch nicht genug von ihr habt, dann schaut sie Euch doch in einem ihrer Webinare an oder holt Euch das kostenlose E-Book: Drei Tipps für ein glückliches Leben mit deinem Hund: Downloadlink

Auf ganz bald
Danni & die Setterjungs

…wenn ihr den Artikel hilfreich fandet, dann teilt ihn bitte, vielleicht sieht und liest ihn jemand, der ein bißchen Know-How gebrauchen könnte, um die Bindung zum Hund auszubauen.

4 Comments

  1. Leider ist es ja oft so das es die Menschen die es erreichen sollte nicht erreicht. Wer sich einen Welpen anschafft und nicht mal über diese Grundlegenden Dinge Bescheid weiß, der wird vermutlich auch in Zukunft auf solche Informationen verzichten. Vielleicht sehe ich aber auch ein bißchen zu schwarz. Aber ich erlebe gerade schlimmes in meinem Umfeld und kann nichts dafür tun das dem Hund geholfen wird. Das Frauchen weiß alles, kann alles und ist Verfechterin des Alpha Wurfes mit allen unangenehmen Konsequenzen für den Hund. In ihren Augen muß man den Hund ständig dominieren und unterwerfen was für sie leider gelegentlich auch heißt den Hund auf den Rücken zu werfen(und ich meine werfen)und zu würgen. Seit ich ihre Erziehungsmaßnahmen kritisiert habe hasst sie mich, hält mich für blöd und in ihren Augen bin ich die ohne eine Ahnung von Hundeerziehung. Leider ist in den Momenten der schlimmen Maßregelung kein Veterinäramt oder Ordnungsamt in der Nähe. Ich habe schon versucht die Ämter zu mobilisieren. Ohne Beweise kein Handlungsbedarf. Ich warte auf den Tag wo der Hund sie beißt. Was ich geschildert habe ist nur die Spitze des Eisberges.

    1. Ach ja, vielleicht sollten wir beide ein Buch darüber schreiben.
      Ich fühle mich tatsächlich gerade sehr verstanden. Vor einigen Wochen kündigte mir eine wirklich enge und langjährige Freundin die Freundschaft, da ich ihre Methoden aufs Schärfste verurteilt habe (ebenfalls auf den Rücken werfen! und Starkzwang mit einem Zughalsband an „passender“ Stelle…die Liste war lang). Man steht daneben und kann nur mit dem Kopf schütteln.
      Tut mir leid, dass du ähnliches erleben musst.
      Das sind ja leider Bagatellfälle fürs Vetamt. Ich kann nur versuchen mit meinen Artikeln oder Gastartikeln von Blogkolleginnen aufzuklären, aber ein kleines Stückchen Abhilfe ist besser als garnichts. Der Artikel wurde bis heute von über 2500 Menschen gelesen…einer wird hoffentlich dabei gewesen sein, dem geholfen war ;-).
      LG von mir und danke nochmal für deinen Kommentar!

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